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142-1 Silke Jahn-Awe

142-1

Silke Jahn-Awe

Published
ISBN :
Kindle Edition
23 pages
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 About the Book 

Drei Science-Fiction-Erzählungen:Tank 142Eine dystopische Erzählung über eine Zukunft, in der instrumentalisierte Menschen immer noch Menschen sind, und in der ein Paar zu überleben versucht.Thoman kam ins Schlafzimmer. Rusch saß am Kopfende desMoreDrei Science-Fiction-Erzählungen:Tank 142Eine dystopische Erzählung über eine Zukunft, in der instrumentalisierte Menschen immer noch Menschen sind, und in der ein Paar zu überleben versucht.Thoman kam ins Schlafzimmer. Rusch saß am Kopfende des Bettes und weinte. Als er sich dem Bett näherte, hob sie den Kopf und sah ihn verzweifelt an. Die ganzen letzten Monate war sie wegen ihres gemeinsamen Kindes im Bauch glücklich gewesen. In anderthalb Monaten würde sie drei Monate lang nicht arbeiten müssen. Was war mit ihr, dass sie jetzt im Dämmerlicht saß und weinte, sie, die sich sonst immer um ruhige Zuversicht bemühte?Er setzte sich auf das Bett und zog ihren zierlichen Körper an seine schmale Brust, strich ihr mit seiner von Brandnarben entstellten Hand so sanft wie möglich die Tränen aus dem Gesicht. In dem Moment, wo das Nass seine Haut benetzte, verstand er sie. Ein genauerer Blick in ihr Gesicht und auf seine Hand offenbarte die grausame Wirklichkeit. Ihre Tränen waren nicht wasserklar, sondern mit einer gelbbraunen Nuance versehen. Hielte er ein Streichholz daran, würde das Nass mit dunkelblauer Flamme brennen. Es gab keinen Zweifel, auch Rusch war jetzt ausreichend kontaminiert. ...BetamesserEin Omegarianer bewirtet widerwillig einen Taurianer, der sich auf seiner Weiterreise nach Alpha in sein Bistro verirrt und ihn beim Schleifen seines geliebten Messers stört.Cornelis Butcher schärfte sein großes Messer. Er liebte das Geräusch, wie die Klinge über den Wetzstahl schabte. Das lag in der Familie, schon seine Großmutter hatte das Geräusch geliebt. Junge, hatte sie immer gesagt, wenn ich den Stahl irgendwann einmal nicht mehr schaben hören kann, dann möchte ich nicht mehr leben! In der Familie Butcher war solch eine Äußerung ernst zu nehmen, aber Alterstaubheit lag nicht in den Genen. Die Großmutter hatte Glück gehabt, verstarb am Arbeitswahn, das war verbreitet und auf Omega ganz normal. ...Der OperatorAuf einer von Maschinen beherrschten Erde fällt ein veränderter Mensch in die Hände einer kleinen Überlebensgemeinschaft. Ist er ein Mensch oder eine Maschine? Kann man ihm trauen, oder muss man ihn aufgrund der Gemeinschaftsregeln töten?Nadjeschda! In der 1.42 liegt ein Neuzugang. Wasch und wickel ihn und pack ihn ins Bett. Wie ein Fels in der Brandung stand Olga mit ihren dicken Wasserbeinen im dunklen Flur, wurde nur von der Seite her durch das Licht vom Bereitschaftszimmer aus angeleuchtet. Seit Tagen waren sie auf sich allein gestellt, an Schlaf war kaum zu denken. Und trotzdem stand Olga unverrückbar da, hatte alles fest in der Hand. Ein Neuzugang? Wann war er gekommen? Und warum lag er auf der 1.42? Der Raum war nur Notbehelf, wenn alles andere aus den Nähten platzte.Nadjeschda rannte zum Lager und riss das, was sie brauchen würde, aus dem Regal. Auf die 1.42 wurden auch schon mal aggressive Fälle gelegt. Aber dann würde Olga sie nicht allein gehen lassen, oder doch?Mit einer Laterne in der Hand lief sie den langen Gang hinunter und stieg die Treppe hinauf unter das weit entfernte Dach. Was würde sie dort erwarten? Wieder einer mit zerstörtem Gesicht? Oder einer, der gänzlich wahnsinnig geworden war? In diesen Tagen beides keine Seltenheit.Sie betrat den Raum. Was war das für ein Gestank? Ihr Fuß verhakte sich, sie fiel der Länge nach hin. Nur mit Mühe und Not schaffte sie es, die Laterne in einer aufrechten Position zu halten. Sie inspizierte ihren schmerzenden Ellenbogen, sah einen Holzsplitter vom Dielenboden in einem blutig abgeschürften Oval.